Acht Jahre gewartet – und dann kommt der Wind

Der erste Blick am Samstagmorgen geht bei uns immer in den Himmel – an diesem Morgen aber vor allem zum Windsack. Und der steht stramm. Nach acht Jahren Pause sind die Wilscher Flugtage endlich zurück, alles ist aufgebaut, das Programm steht, und ausgerechnet jetzt legt sich der Wind quer über den Platz.

Was in den Wochen davor zusammengekommen ist, lässt sich kaum erzählen, ohne dass es nach Übertreibung klingt: rund 1000 Stunden Arbeit stecken in diesen zwei Tagen. Signalfläche freikratzen, Steinhaufen abtragen, Infotafeln bauen und beschriften, Zelte stellen, Absperrungen ziehen, Parkflächen herrichten, Programm abstimmen, Genehmigungen einholen, Verpflegung planen. Das meiste davon sieht man dem fertigen Platz am Ende gar nicht mehr an – und genau so soll es ja auch sein.

Am Samstag nimmt der Wind im Lauf des Tages eher zu als ab. Für Flugvorführungen und Rundflüge gibt es klare Grenzen, und die sind nicht verhandelbar. Am Nachmittag fällt deshalb die Entscheidung, beides einzustellen. Das tut weh, besonders gegenüber denen, die sich extra einen Platz reserviert hatten – aber lieber ein Programmpunkt weniger als ein Zwischenfall.

Der Stimmung hat das erstaunlich wenig anhaben können. Die Ausstellung am Boden bleibt ja stehen, und zwischen den Maschinen wird geredet, gefragt, fotografiert und erklärt – für viele unserer Gäste ist genau das der eigentliche Reiz. Dazu ist am Samstag die Bundespolizei mit einem Informationsstand am Boden vor Ort. Über dem Platz liefert der Himmel derweil sein eigenes Schauspiel ab.

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Flugzeugausstellung am Samstag – der Himmel liefert das Programm 

Hungrig geblieben ist an diesem Wochenende niemand. Aus der Feldküche kommt die Erbsensuppe, an der Grillhütte gibt es Wurst und Pommes, dazu Kaffee und selbstgebackenen Kuchen. Über 100 Kuchen sind dafür gespendet worden, und 1450 Bratwürste sind über die Theke gegangen – Zahlen, die man erst hinterher glaubt. Hinter alldem stehen Vereinsmitglieder, die zwei Tage lang kaum aus der Schürze gekommen sind.

erbsensuppe
Die Feldküche läuft – von hier kommt die Erbsensuppe

Besonders freut uns, dass die Jugendgruppe die Grillhütte weitgehend selbst geschmissen hat. Bestellen, grillen, kassieren, nachlegen, und das über zwei Tage hinweg. Am Sonntagvormittag stand die Mannschaft schon vor zehn Uhr bereit, als die ersten Gäste über den Platz kamen.

Imbiss
Die Jugendgruppe an der Grillhütte am Sonntagmorgen, kurz bevor es losgeht

Und dann der Sonntag. Blauer Himmel, ruhige Luft, und ab dem Vormittag füllt sich der Parkplatz schneller, als wir einweisen können. Der Andrang ist groß, das Programm läuft durch, die Rundflüge auch. Unter dem Strich stehen für das Wochenende über 2000 Gäste, 210 Flugbewegungen und 35 verschiedene Flugzeuge auf dem Platz. Damit ist es genau das Wochenende geworden, auf das wir acht Jahre gewartet und ein halbes Jahr lang hingearbeitet haben.

Möglich gemacht hat das eine ganze Mannschaft: Startleitung, Flugleitung, Einweiser, Kassen, Küche, Kuchenbasar, Aufbau, Abbau, Betreuung der Gastpiloten, Modellflug, Technik. Dazu die Gastvereine und Gastpiloten, die mit ihren Maschinen angereist sind. An alle, die mitgeholfen haben: Danke. Ohne Euch wären das zwei ganz normale Septembertage auf einer Wiese gewesen.

Gruppenfoto
Ein Teil der Mannschaft vor der AN-2 – längst nicht alle haben es aufs Bild geschafft

Am Montagmorgen um kurz vor sieben ist es dann wieder still. Die Sonne kommt über den Wald, auf der Wiese stehen noch ein paar Anhänger, die Absperrungen liegen gestapelt daneben, und der Platz sieht aus, als wäre nichts gewesen. Abgebaut ist nach so einer Veranstaltung nämlich längst nicht alles – das zieht sich noch ein paar Tage. Aber das macht an diesem Morgen niemandem etwas aus.

Sunrise
Montagmorgen kurz vor sieben – der Platz kommt langsam zur Ruhe

Bleibt zu sagen: Es hat sich gelohnt. Und es muss nicht wieder acht Jahre dauern. Wer in der Zwischenzeit sehen möchte, wie es bei uns an einem ganz normalen Wochenende aussieht, ist herzlich eingeladen, einfach mal vorbeizukommen.